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BRAND NEW

2019/20

„MANCHMAL HABE ICH ANGST VOR DEM GEFÜHL DES GELINGENS, DENN DIE GEWISSHEIT DES GELINGENS IST OFT DAS ENDE DES ZWEIFELNS!“

SMARAGDTROPFEN 9,20CT AN HANDGEARBEITETER KETTE

:)

AQUAMARIN MIT ROHKRISTALLFLÄCHE 653CT PLATIN

RING TEUFELCHEN KORALLE GOLD

LANGE TAHITIPERLKETTE MIT KORALLEN UND PLATIN

AMETHYSTRING IN PLATIN GEFASST RING GOLDBERYLL UND TURMALIN

ACHAT SCHRIFT IN GOLD
(nach Jonathan Meese)

TAHITIPERLEN IN PLATINKETTE

CHOICE OF VARIOUS JEWELLERY

#FF

#WHITE SPACE IN BETWEEN

...MORE STUFF

“DIE NATUR VERWÖHNT MICH MIT VIELFÄLTIGSTEN MATERIALIEN... SO FANTASIEVOLL UND JEDES MAL WIEDER NEU. AUGENBLICKE FÜR HERRLICHE IDEEN IN MEINEM KOPF, DAS IST EIN WUNDERBARER ZUSTAND!”

...PICKED OUT

POLAS

AWARDS

GÜNTERKRAUSS.SCHMUCK.
SCHMUCKDESIGNER UND GOLDSCHMIED
MITGLIED DER
DIAMONDS INTERNATIONAL ACADEMY, NEW YORK

AUSZEICHNUNGEN FÜR
SCHMUCKENTWÜRFE UND
GOLDSCHMIEDEARBEITEN:

1.PREIS DER STADT GENF[2X]
BENVENUTO-CELLINI-MEDAILLE IN GOLD
DIAMOND INTERNATIONAL AWARD[3X]
GOLDENE MUSCHEL
JUWEL DES JAHRES, GOLDENE LUPE[3X]
1.PREIS PLATIN ALS SCHMUCKMETALL
DIAMANTEN HEUTE[3X]
AUSZEICHNUNGEN BEI
INTERNATIONALEN WETTBEWERBEN
AUFNAHME IN DIE DIAMONDS
INTERNATIONAL ACADEMY
AUSSTELLUNGEN IM IN- UND AUSLAND
JURYMITGLIED BEI INTERNATIONALEN
SCHMUCKWETTBEWERBEN
ANKAUF VON GOLDSCHMIEDE-ARBEITEN,
KUNSTGEWERBE-MUSEUM TRONDHEIM,
NORWEGEN
SÜDAFRIKANISCHE GOLDMINEN-UNION
DE BEERS,
JEWELLERY COLLECTION, LONDON
SCHMUCKMUSEUM PFORZHEIM

ABOUT GK

Text: Heidi Hechtel

Kreativität und Leidenschaft

Ein Abend im Frühling. Und ein zweiter im späten Herbst. Schauplatz: Die Kronprinzstraße in Stuttgart. Hier wird eine Adresse zum Treffpunkt heiterer Geselligkeit. Die Einladungen sind begehrt, die Erwartungen werden wieder mal übertroffen, Wünsche erwachen. Und lassen sich erfüllen. So ist es seit fast 30 Jahren, wenn der Goldschmied und Schmuckdesigner Günter Krauss seine neuen Kollektionen präsentiert. „Keine Schönheit gibt es, die unter Juwelen nicht leuchtender würde.“ Worte eines klugen Mannes in einem alten türkischen Märchen. Wie wahr! Muss da nicht ein Leben im Dienst der vollendeten Symbiose von Schönheit und Juwelen einem Märchen gleichen? Kann nicht der als glücklich gelten, der immer wieder dieses Leuchten entzündet? Der die Schätze aus den urzeitlichen Tiefen der Erde vor sich ausbreitet, um sie mit Leidenschaft und außerordentlicher Kreativität nach seinem Bild zu formen und zum Glänzen zu bringen? Wir behaupten: Günter Krauss ist ein glücklicher Mensch.

Nichts für Kleinmütige

Seine Schmuckstücke sind nichts für Kleinmütige. Sie verlangen Persönlichkeit und Charakter. Den Mut zum großen Format, denn sie sind Ausdruck dessen, was ihren Schöpfer selbst auszeichnet: Großzügigkeit vor allem. Ein großes Herz. Die Fähigkeit zur Freude und Begeisterung. Und die Unfähigkeit zur Kleinlichkeit. Nahestehende und Freunde lieben ihn dafür, die glücklichen Besitzer und Bewunderer seiner Kreationen spüren die emotionale Kraft, die von ihnen ausgeht. Denn jedes Stück aus seiner Hand ist mit ihm identisch, nie wird er sich untreu.

Keine Grenzen setzen

Seine Schmuckstücke sind auch keine Prestige-Pretiosen, um Society-Rang und pekuniäre Potenz zur Schau zu stellen. Denn Konvention ist ihm fremd, dabei nur das Beste gut genug. Wenn Silber, dann üppig, zum Beispiel ein Zehn-Kilo-Barren, um daraus eine Schale zu hämmern. Wenn Gold, dann 18 Karat, das warm glänzende Feingold. Am liebsten Platin. Brillanten? Aber sicher, am besten viele oder auch ein einziger Zehn-Karäter, funkelnd und prachtvoll. Krauss will aus dem Vollen schöpfen. Keine Grenzen setzen. Die Schönheit ungewöhnlicher Materialien erkennen und sie in Schmuckstücke verwandeln. Das kann ein alter eiserner Schiffsnagel sein, gefunden in den Sielen des Wattenmeers bei Hamburg. Veredelt mit Platin und 154 weißen und gelben Brillanten von zwölf Karat schmiegt er sich nun als Collier um einen Frauenhals. Oder ein Eisenzirkel, schon ohne Platin und Brillant von archaischer Schönheit. Eine alte römische Pfeilspitze. Ein antikes, handgeschmiedetes Türschloss. Ein Stück Mammutknochen, aus dem russischen Eis befreit, wird, mit warmem Feingold gefasst, zum Anhänger in Herzform. Rotes Ambrosiaholz inspiriert zu einem Kreuz mit rotem Turmalin. Schwere Armreifen aus Elfenbein, die letzten im Hort seiner Schätze, tragen nun Pfeile aus Brillanten und Aquamarin. Und sind im Nu verkauft.

Natur als Inspiration

Was blieb von der letzten Documenta in Kassel? Die Mohnkapseln vom Mohnfeld, nun in Feingold gegossen und zur filigranen Kaskade eines Halsschmucks vereinigt. „Das überlebt die Documenta“, sagt Günter Krauss. Er sieht das Edle in alltäglichen Dingen, dazu ist ihm die Natur ein unerschöpflicher Quell an Inspiration und Fundus von Formen und Strukturen. Nicht nur Steine, Blätter, Muscheln oder Schnecken. Auch mal eine Bandscheibe vom Walfisch. Die Scheren von Kaisergranaten. Das Gehörn einer Heidschnucke. Oder das verwitterte Stück einer Agave. Eine Chilischote, wie sie ein Gourmet und Autor von Kochbüchern in Gold besitzt, um daraus stets und überall seinem Essen die nötige Prise Schärfe zu geben. Seine Frau und Mit-Autorin trägt eine kleine Muskatreibe als Anhänger. Und nutzt sie auch entsprechend. Wertfrei denken Er weiß, dass diese Gabe des besonderen Blicks ein Geschenk der Götter ist: „Ich greife in eine Kiste, hole ein Teil heraus und weiß, was daraus wird.“ Werte dürfen dann keine Rolle spielen: „Ich will wertfrei denken. Egal, ob Lederband oder Koralle, Eisen oder Platin, Kiesel oder Smaragd, alles hat für mich beim Entwerfen erst mal den gleichen Stellenwert.“. Nicht Diamant, Rubin, Smaragd oder Saphir, reines Mineral und ranghöchste Edelsteine, sind seine Lieblingssteine, es ist der Achat, geologisch als amorphe Kieselsäure klassifiziert und früher als Halbedelstein abgetan: „Sein Reichtum an Formen und Einschlüssen überrascht und fasziniert mich immer wieder.“ Genau wie der Turmalin, dem er oft den Vorzug gibt, weil er in allen Farben des Regenbogens vorkommt. Und nicht nur er: „Meine Kunden sind bereit, für einen ausgefallenen Turmalin mehr zu bezahlen, als für einen Brillanten.“ Design, das zum Stil erzieht.

Magie der Steine

Überzeugt von der Magie der Steine wird der Goldschmied selbst zum Magier, der die Kunst der Verwandlung schon beim Schleifen beherrscht und auch hier wieder unbeirrt seinem eigenen Weg folgt: „Ich schleife Steine ganz anders, als der Schleifer sie sieht und bearbeitet.“ Je ungewöhnlicher ein Exemplar, desto größer die Lust an der Herausforderung und der kompromisslose Anspruch, Struktur und Schönheit des urzeitlichen Materials zu erhalten und zum Strahlen zu bringen. Dazu gehört auch Respekt vor diesen Wundern der Natur, wie die Geschichte um einen Beryll beweist: Aus 200 Metern Tiefe in der Ukraine geschürft, 4,2 Kilogramm schwer, von intensiver grün-goldgelber Farbe und mit geometrischen Mustern auf der Außenhaut, die „wie eine Pyramide nach innen wuchsen“, schwärmt Krauss von der „wunderschönen Säule“. Er wollte und hat diese Muster erhalten und einen bisher einzigartigen Kaleidoskop-Effekt geschaffen. Sieben Steine wurden daraus geschliffen, der kleinste 450 und der größte 780 Karat schwer, die Krauss und sechs andere renommierte Goldschmiede aus Österreich, Frankreich, Spanien und der Schweiz zu Schmuckstücken verarbeitet und auf der Frankfurter Messe präsentiert haben. Steine und ihre Geschichten: Voller Geheimnisse und oft ein Abenteuer. Welches Glück, als Krauss eine Kiste mit wunderschönen Korallenästen der blutroten Moro-Koralle öffnete, der schönsten und kostbarsten, die aus 800 Metern Meerestiefe geholt wird. Diese Äste, lang gesucht, würden groß genug, um daraus den Wunsch eines Kunden zu erfüllen und ein Collier mit Perlen von 20 Millimeter Durchmesser gestalten zu können. Doch wie ein Mensch ohne Druckausgleich übersteht auch die Koralle das Auftauchen aus dieser Tiefe nicht unbeschadet: Feine Risse an der „Seele“ der Koralle machten den Traum zunichte. „Aber wir haben wunderschöne Tropfen von einmaliger Größe daraus geschliffen.“ Aus der Enttäuschung wurde wieder Glück.

Schöpferische Freundschaften

Schöpferische Freundschaften bereichern Leben und Schaffen von Günter Krauss. Da ist Raymond E. Waydelich, der Künstler aus dem Elsass. „Auch ein Mensch von überbordender Phantasie, ein Geschichtenerzähler und Fabulierer.“ Dazu als Dritter im Bunde: Tomi Ungerer aus Straßburg, der große Maler und Zeichner. Kreativität im Überfluss, Sinnenfreude, die sich nicht an die Kette legen lässt und das Talent zum Genießen: „Bei Menschen wie diesen geht mir das Herz auf“, bekennt Krauss. Aus der lustvollen Zusammenarbeit mit Tomi Ungerer entstand eine Kollektion mit erotischem Schmuck. Stilecht nur einem handverlesenen Kreis in der Atmosphäre eines Chambre Séparée der Belle Epoque präsentiert: Bei Kerzenschimmer auf rotem Samt, inmitten roter Rosen. Und bei einem schwelgerischen Diner von Vincent Klink. Verführung, der niemand widerstehen konnte. In welchen Schatullen wohl die preziösen Spielarten der Lust verborgen sein mögen?

Talent zum Genuss

Günter Krauss, Tomi Ungerer und Raymond E. Waydelich: Alle drei große Genießer. Wir nehmen an, in jeder Beziehung. Bleiben wir bei den Tafelfreuden. Ihre gemeinsamen Essen müssen legendäre Feste im Geiste Lukulls sein, belebend, anregend und fruchtbarer Boden für neue Ideen. Bei einem solchen Essen, wo sonst, mit Raymond E. Waydelich in einem kleinen feinen Restaurant im Elsass gebar die Freude am Genuss den Wunsch nach adäquatem Besteck. Krauss griff zum Stift, zeichnete, entwarf und schuf wie immer Ungewöhnliches: Löffel, Gabel, Salatbestecke aus schwerem Silber, Gold, Elfenbein und Horn. Wie anregend ein Essen mit Krauss sein kann, beschrieb ein Freund: „Beim Suppelöffeln erklärte er mir das Sinnliche am Arbeiten mit Gold und Platin, die ewig neue Faszination, wie aus einem ganz und gar matten Metallblöckchen durch Schmelzen, Hämmern, Biegen und Polieren ein schimmerndes Juwel entsteht.“

Ausgezeichnet

Krauss gewann damals schon seinen ersten von mittlerweile drei Diamond International Awards und zwei Mal in Folge den Preis der Stadt Genf, Auszeichnungen, zu denen mittlerweile die Benvenuto Cellini-Medaille in Gold, die Goldene Muschel für das Juwel des Jahres, drei Mal die Goldene Lupe, ein erster Preis für Platin als Schmuckmetall, drei Preise für die Gestaltung von Diamanten Heute und die Aufnahme in die Diamonds International Academy dazu gekommen sind. Krauss arbeitete in der Gruppe „Art Design“ frei für Juweliere in Paris und New York, erwarb sich einen internationalen Ruf und zählte das holländische Königshaus zu seiner Klientel. Es kann durchaus vorkommen, dass man einem Schmuckstück von Günter Krauss an einer Dame in Rom, Paris oder New York begegnet. Und man wird es sofort erkennen.

Museale Sammlerstücke

Die Schmuckstücke von Günter Krauss, jedes ein Jahrgangs-Unikat, sind Sammlerstücke. Für Kenner, die konsequent vom ersten Tag an bis heute von jeder neuen Kollektion ein Stück kaufen, für Museen, die mit Ankäufen die Bedeutung des Goldschmieds und seiner Kreationen für modernes Schmuckdesign unterstreichen. Zu finden sind Krauss-Kreationen im Kunst- und Gewerbemuseum im norwegischen Trondheim, bei der südafrikanischen Goldminenunion, der De Beers Jewellery Collection, London, im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart und selbstverständlich im Schmuckmuseum Pforzheim. Krauss, dem die Metropolen der Welt offen gestanden hätten, ist seiner Heimatstadt Pforzheim treu geblieben. Reicht doch, wenn seine Kreationen in die Welt hinausgehen. Hier entstehen sie in der Werkstatt mit sieben Mitarbeitern. Hier hat er auch sein Refugium mitten im Wald. Ein Ort zum Durchatmen, zur Ruhe Kommen, Kraft Schöpfen: „Ich brauche nicht ständig Trubel.“ Alles Laute verabscheut er wahrscheinlich. Geschwätzigkeit auch. Aufdringlichkeit noch mehr. Das sagt er natürlich nicht. Er ist nur selbst in allem das Gegenteil.


Günter Krauss

Text: Reinhold Ludwig




Wer verbirgt sich hinter den Initialen GK? Wer macht solche Stücke, so gewagt in der Dimension und doch so sensibel in der Materialwahl, so frei im künstlerischen Ausdruck und doch jederzeit erkennbar? Was ist das für ein Goldschmied, der sein Metier auf eine Art und Weise betreibt, dass man sich zuweilen verwundert, manchmal fassungslos, die Augen reibt? Warum darf sich GK so viel erlauben? Warum wohl gelten für ihn nicht die Grenzen, die sich die meisten seiner Zunft ansonsten auferlegen? Wer darf es zum Beispiel wagen, einer Kundin einen „echten“ Frosch an die Brust zu hängen? Nicht als Verniedlichung der Märchenfigur, die schon das Krönchen trägt. Nein! Als getreues Abbild der Natur, ihrer eigenartigen Formenwelt und ihrer Verletzlichkeit, gegossen in pures Gold. Als unübersehbarer Hinweis zudem auf Zeiten, in denen Völker ihre Götzen sichtbar verehrten, oder sich mit den Zähnen des Tigers und dem Horn des Büffels schmückten, damit die Kraft überfließe auf die Träger. Und nicht zuletzt als Erinnerung an unsere nie verloschene Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Welcher Schmuckmacher sonst käme auf die Idee, aus einem respektablen Hirschgeweih oder den Hörnern eines Widders Halsschmuck zu machen? Wer hatte je den Mut, aus einer afrikanischen Speerspitze ein Stück für den weiblichen Oberarm zu schmieden?

Alle Kunst und ganz besonders Schmuck ist erotischer Natur, mag sich GK denken, wenn er Herzen aus Platin und Gold formt oder die Symbole der Liebe aus Bergkristall schleift und mit Eisen umrahmt, groß wie Lebkuchenherzen auf dem Jahrmarkt. Selbst ohne symbolische Anspielungen atmen seine Stücke, oft allein wegen der Komposition der Materialien, pure Sinnlichkeit. Zum Beispiel wenn GK der kostbarsten Koralle, der seltenen Engelshaut, eine vollkommen neue, goldgefasste Gestalt gibt. Wenn er das archaische Elfenbein des Mammuts so verarbeitet, dass der magische Naturstoff, der Jahrtausende im Eis geschlummert hat, zu neuem Leben erwacht. GK darf es auch wagen, ein Motiv von Lucas Cranach aufzugreifen. Er kann es sich erlauben, das Bild der zartesten Weiblichkeit aus der Reformationszeit in plastischer Form auf einen Armreif zu übertragen. Vielleicht, damit wir die Unschuld, welche die größte Verführung darstellt, neu verstehen können? GK ist auch ermächtigt, pralle Sinnlichkeit im Schmuck zu thematisieren – jenseitsnah, wie ein Künstler des Barock. Er darf sogar seine Kundinnen zum Hexenritt ermutigen. Nicht in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg, sondern mitten in der protestantischen, aufgeklärten Schwabenmetropole, in Stuttgart.

Verbirgt sich hinter den Initialen GK gar ein listiger Verführer? Zumindest deutet vieles darauf hin, dass dieser Gestalter auch eine satirische Ader hat. Vielleicht ist deshalb mancher Schmuck so gewagt? Will doch Satire immer beißen. In jedem Fall fabuliert GK gerne gefühlvoll mit seinem Medium. Denn seine Arbeiten beinhalten Botschaften. Nicht nur von der Schönheit ursprünglicher Materie – dies ist die augenfälligste Stärke der Stücke. Nicht nur von der unbeschreiblichen Wirkung vollendeter Kompositionen, das ist seine Standardübung. GK sendet Botschaften aus längst vergangenen Zeiten. Viele seiner Arbeiten beinhalten Form gewordene Mythen. Immer nutzt GK sein Metier der Wunscherfüllung, um Sehnsüchte zu befriedigen – nicht nur vordergründige, sondern am liebsten tief im Unbewussten verborgene. Ist GK gar ein Schamane? Möglicherweise ein Verwandter jenes Künstlers, der auf der 7. documenta aus einer Zarenkrone einen goldenen Hasen gegossen hat? Nutzt dieser Goldschmied nicht ebenso wie Joseph Beuys das gelbe Edelmetall, um auf dessen Symbolik hinzuweisen, die für göttliche Reinheit, Weisheit und die wärmende Kraft der Sonne steht? Versteht er nicht auf ganz eigene Weise seinen Schmuck als ganzheitliches Thema der Kunst, die nur wahr ist, wenn sie sich mit dem Leben verbindet?

Doch hält ihn nichts davon ab, die edle Aura des Goldes zu lieben, die Brillanz der Diamanten und den Zauber der Farbedelsteine. Unverhüllt ist seine künstlerische Ader an die kostbare Materie des Goldschmieds gebunden, an ihre Farbe und ihr Strahlen, an ihren Wert und ihre Pracht, an ihre Üppigkeit und Fülle, an ihre magische Vergangenheit und ihren Ewigkeitsanspruch. Doch er erhebt das extrem Kostbare nicht über das Einfache und Schlichte. Beides erscheint ihm gleichermaßen wertvoll. Nur muss jeder Stoff so gedankenvoll eingesetzt werden, dass er sein wahres Wesen zum Ausdruck bringen kann. GK kann sich auch noch in seiner reifen Schaffensphase für die Erscheinungsformen der Natur begeistern und sie in seinen Schmuck einfließen lassen. Aber ebenso gilt seine geschärfte Aufmerksamkeit der Ästhetik der Alltagskultur – und natürlich der großen Kunst, der modernen wie der alten, gegenwärtiger wie früher Kulturen. An den Edelsteinen schätzt GK besonders die Strukturen, die kristallinen, aber auch die amorphen. Er ergötzt sich nicht nur an ihren Farben oder ihrer tiefgründigen Reinheit. GK achtet auch ihre Individualität, ihre Einschlüsse, die oft fälschlicherweise als Fehler interpretiert werden. Er erkennt ihren einmaligen Reiz und bezieht sie so kunstvoll in seine Gestaltung ein, dass sie immer wieder überraschend neue Wirkungen erzielen. Damit wurde GK ganz beiläufig zu einem Förderer und Pionier moderner Edelsteinschliffe.

Eindrucksvoll macht GK immer wieder deutlich, dass Schmuck nicht nur der Schönheit dienen darf, sondern auch höhere Aufgaben zu erfüllen hat, Aufgaben geistiger Natur, tief verankert im Kulturellen, im Streben des Individuums und ganzer Völker nach Identität. Bei allem Respekt vor dem Bedürfnis der Trägerin, begehrenswert und außergewöhnlich zu erscheinen, fordert GK mit jeder Arbeit, dass seltene Kostbarkeiten nie losgelöst von einem glaubwürdigen Konzept, von einer inneren Logik, nur um ihrer selbst Willen eingesetzt werden dürfen. Damit zählt er zu den ganz wenigen Juwelieren unserer Zeit, die aktiv daran mitwirken, dass die Ideen und Ideale der Moderne auch im Schmuck realisiert wurden und dass Schmuck viel mehr sein kann als vordergründiger Glamour.

Über jede künstlerische Theorie und Zielsetzung hinaus ist GK ein zutiefst emotionaler Gestalter. Zum Glück nicht vom Schlage eines Goldschmieds wie René Cardillac, der seine Pariser Kundinnen heimtückisch mordend heimsuchte, um wieder in den Besitz seiner geliebten Geschmeide zu kommen. Doch vielleicht würde E.T.A. Hoffmann, der Autor des „Fräuleins von Scuderie“, könnte er heute leben, über den Träger eines Schmuckstücks von GK die bewundernden Worte schreiben, dass er „im Glanz der strahlenden Diamanten ein Wesen höherer Art, der Inbegriff aller Schönheit“ sei.

Unbestritten verbirgt sich hinter den Buchstaben GK ein Phänomen – bewundert und sicher auch manchmal ein bisschen beneidet. Weil er Dinge machen kann, von denen andere kaum träumen können. Um dies besser zu verstehen und seine Bedeutung innerhalb der Schmuckkultur der Gegenwart, sei ein kurzer Abriss seines Lebens erlaubt. Die Beschränkung auf die gestalterische Entwicklung hat zwei Vorteile. Erstens ist sie aus künstlerischer Sicht das Wichtigste, und zweitens ist sie kürzer. Denn ein Buch über GK braucht Platz für viele Bilder.

Günter Krauss wurde am 30. April im Jahre 1943 in Pforzheim geboren, mitten im Krieg und zwei Jahre vor der fast vollständigen Zerstörung durch die Bomben der Alliierten. Er überlebte die Apokalypse und wuchs auf zwischen Ruinen. Dies hielt ihn nicht davon ab, schon als Kind mit dem Zeichnen zu beginnen. Warum wusste so recht niemand, denn der früh verstorbene Vater war Kaufmann, und die Mutter hatte auch keine künstlerische Ader. Vielleicht stammt die schöpferische Natur von einem Vorfahr, der zur Zeit Mozarts ein angesehener Musiker war. Als die Frage aufkam, welchen Beruf Günter Krauss wählen sollte, war da schon der Wunsch, einen künstlerischen Weg einzuschlagen. Doch dieser ließ sich damals nicht so einfach realisieren. So lernte Günter Krauss erst mal ein solides Handwerk in einem renommierten Goldschmiedeatelier seiner Heimat.

Doch was war das für eine Zeit in der Goldstadt Pforzheim? Die wiedererwachte Schmuckindustrie befriedigte in den 1960er Jahren mit großen Zuwachsraten das lange unterdrückte Bedürfnis nach neuem Glanz und bescheidenem Luxus breiter Bevölkerungskreise. Mit der anspruchslosen Massenproduktion ging eine Verarmung der Goldschmiedekunst einher. An der Kunst- und Werkschule betrachtete man die Entwicklung in der Industrie kritisch und bezog eine deutliche Gegenposition. Karl Schollmayer, der Rektor der Schule, und die Professoren Reinhold Reiling und Klaus Ullrich versuchten mit ihren Studenten ihr Metier zu erneuern. Als Günter Krauss nach seiner Lehre diesem eingeschworenen Kreis beitrat und sein Studium an der Kunst- und Werkschule aufnahm, herrschte Aufbruchstimmung. Bald entstand ein schöpferischer Wettbewerb zwischen kreativen Schmuckmachern – nicht nur an der Akademie in Pforzheim, sondern in ganz Europa. Viele Goldschmiede suchten ein neues Selbstverständnis im Schmuck der Nachkriegszeit. Doch es war nicht einfach, die eigene Tradition zu überwinden und gleichzeitig Anschluss an die Entwicklungen der modernen Kunst zu finden, die durch den abstrakten Expressionismus und die Pop-Art in den USA, durch die konkrete Kunst und die informelle Malerei in Europa, von sich reden machte. Zunächst galt es im Schmuck anzuknüpfen an die herausragenden Leistungen der Goldschmiede des Jugendstils und des Art Déco. Hatten doch besonders französische Goldschmiede wie René Lalique oder Jean Fouquet bereits vor dem Krieg bewiesen, dass Schmuck innerhalb der Kunst als ein Thema der Moderne auftreten konnte.

Bezeichnend für die Ausnahmestellung und spätere Position von Günter Krauss war, dass er die künstlerischen Ideale adaptierte, ohne seine Neigung zum Handwerk und zur Tradition des Juweliers zu verleugnen. Mit großer Ausdauer vertiefte er an der Pforzheimer Schule sein zeichnerisches Talent und seine Fähigkeit zu sehen. Bald wurden seine Schmuckstücke, inspiriert oft von der Natur, meist mit außergewöhnlich geschliffenen Edelsteinen besetzt, in der Szene bekannt. Sie waren im Gegensatz zu vielen künstlerischen Arbeiten seiner Kollegen und Freunde sogar bei großen internationalen Juwelieren gefragt. Noch während seines Studiums an der Kunst- und Werkschule zeigte sich klar und deutlich sein unverkennbarer Stil.

Die Fähigkeit, sich nie vereinnahmen zu lassen, trug bald reiche Früchte. Direkt nach seinem Studium trat Günter Krauss neben dem Schweden Sigurd Persson, dem „ersten Schmuckdesigner“ unter den modernen Goldschmieden, wie ihn Karl Schollmayer nannte, und neben dem für die Schmuckkultur der Nachkriegszeit so bedeutenden Reinhold Reiling, für das Projekt art-design auf. Hinter dem Namen art-design verbarg sich die erste moderne Schmuckkollektion, die ein ambitioniertes Pforzheimer Atelier in der Zusammenarbeit mit namhaften Künstlern in Deutschland in den 1970er Jahren realisiert hat. Günter Krauss war der jüngste und der erfolgreichste Designer von art-design. Der Pforzheimer Ausnahmegoldschmied verkaufte zudem Einzelstücke an große Juweliere und wurde von Arthur Grosse, dem damals renommiertesten Hersteller von Modeschmuck in Pforzheim als Designer engagiert. Die Entwurfstätigkeit für die beiden Marken Grosse und Christian Dior schärfte den Blick von Günter Krauss für die Belange der Haute Couture, der nicht immer geliebten, aber unverzichtbaren Verwandten von großem Schmuck.

An jedem Wettbewerb, an dem sich Günter Krauss zwischen 1970 und 1980 beteiligte, erreichte er Spitzenplatzierungen. Dreimal gewann er den damals noch begehrten Diamonds International Award und viele andere Preise der Juweliers- und Schmuckkunst. Es zeugt von seinem Selbstbewusstsein, dass er sich trotz großer Erfolge bei seriellen Designentwicklungen schließlich ganz auf seine eigene Arbeit konzentrierte: auf außergewöhnlichen Unikatschmuck.

An Wettbewerben, die er regelmäßig gewonnen hatte, beteiligte er sich seit langem nicht mehr. Günter Krauss konzentrierte sich lieber auf Projekte, in denen manchmal auch ein Dialog mit befreundeten Künstlern aus anderen Bereichen stattfand. Mit Tomi Ungerer und Raymond Waydelich zum Beispiel. Die beiden Elsässer schätzt er besonders wegen ihres Humors, ihrer unverhohlenen Lebensfreude und wegen ihrer Fabulierkunst, der er im tiefsten Inneren verbunden ist. Trotz aller großen Erfolge ist Günter Krauss immer auf dem Boden geblieben. Der Elfenbeinturm war nie sein Ding. Dem Streben nach musealer Anerkennung hat er sich nie hingegeben. Seine Freude kann kaum größer sein, wenn sein Schmuck getragen wird. Dann erscheint jenes Schmunzeln in seinem Gesicht, jenes verschmitzte Lächeln, das am Schluss eines Beitrags über den herausragenden Goldschmied der Moderne nicht unerwähnt bleiben darf.

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